Da fährst du nach Lübbecke, in die Partnerstadt von Bad Liebenwerda in Nordrhein-Westfalen, um die dortige Feuerwehr zu besuchen. Und erlebst eine feuerwehruntypische Mordsgaudi. Dort schnaufen Männer beim Tauziehen, gibt es ein Gejohle von hunderten Zuschauern, wenn sich die Feuerwehr-Abordnung aus dem einen Ortsteil stärker als die aus dem anderen erweist.
Du reibst dir die Augen: Tauziehen reicht aus, um eine ganze Stadt in Wallung zu bringen. Erst ziehen die Kameraden am Tau, dann wird der stärkste Straßenzug gesucht und am Ende ist der Sieg nur zweitrangig. Menschen kommen zusammen, es wird gefeiert, gelacht und später sogar getanzt.
Als Bad Liebenwerdas Feuerwehrkameraden wieder zu Hause ankommen und das nächste Mal am Biertisch zusammensitzen, leben die Erlebnisse wieder auf und einer sagt: „So etwas brauchen wir auch bei uns.“ Aber der Stolz verbietet es, nur zu kopieren. Was Neues muss her. Keiner weiß heute mehr, wer genau auf die Idee mit dem Schlauchbootrennen kam. Aber sicher ist: Am 14. Mai 1994 findet auf der Schwarzen Elster das erste Schlauchbootrennen der Feuerwehr Bad Liebenwerda statt. Seitdem immer am Wochenende nach Himmelfahrt, diesmal am 16. Mai 2026.
30 Jahre Schlauchbootrennen mit ganz vielen Episoden
Das diesjährige ist kein gewöhnliches Rennen. Die Kameraden zelebrieren ein Jubiläum – das 30. Wettpaddeln auf der Schwarzen Elster. Nur dreimal fällt das Rennen aus, zweimal wegen Corona, einmal weil ein geschätzter Kamerad einen Tag vor dem Start verstirbt. Als dieses Medium die Macher der ersten Stunde an die Elster bittet – fürs Foto und um aus der Geschichte zu berichten –, sprudeln die Episoden, als hätten sie erst gestern stattgefunden.
Klar, da ist zuerst das Wetter. „Wir hatten alles – Sonne, Regen, Hitze, Kälte, mal ganz wenig Wasser in der Elster und plötzlich nach heftigen Regenfällen ganz viel“, berichtet Karl Schlegel, selbst mal Stadtwehrführer. Da wird von den unterschiedlichen Start- und Zielorten berichtet. Denn nicht immer ist es die Wäldchenbrücke, auch von den Flussüberquerungen in der Dresdner- und Bahnhofstraße wird gestartet. Zu Beginn abenteuerlich. Damals wird die Startrampe aus einem Baugerüst errichtet. Pontons kommen viel später. Oder aber die Schlauchboote. Es sind zuerst die großen aus NVA‑Beständen. Nicht alle überstehen jeden Wettkampf heil. „Einige Boote hatten mehr schwarze Flecken vom Kleben, als sie noch grau waren“, berichtet Hannes Lorenz, einer der Feuerwehr-Urgesteine.
Wer zu übermütig wird, geht ins Wasser
Klar, ins Wasser müssen viele in all den Jahren – ob nun freiwillig oder mit etwas Nachdruck. Dietmar Hönicke, der als Pokal-Sponsor, Sprecher und Verbindungsmann zu Sparkasse, Volksbank und enviaM hilft, Schlauchboote anzuschaffen, weiß noch ganz genau: „Einmal hat es unseren langjährigen, leider nicht mehr unter uns weilenden Moderator Joachim Philipp, ein Hansdampf in allen Gassen, erwischt.“ Als er im Überschwang eine der Frauenmannschaften etwas zu sehr auf die Schippe nimmt, macht genau diese unverhofft kurzen Prozess: Die sackt ihn an, nimmt auch keine Rücksicht darauf, dass er seine neue, teure Lederjacke trägt, und „versenkt“ ihn in der Elster.
Apropos Frauen: Sie sind in all den Jahren immer an der Seite ihrer männlichen Hobbykapitäne. Sie kümmern sich zuerst um die Versorgung, bis sie schließlich selbst nicht mehr nur Zuschauerinnen bleiben wollen. Sie bilden schon lange selbst Bootsbesatzungen und verzücken mit originellen Kostümideen.
Schlauchbootrennen auf der Elster, es wird im Laufe der Jahre zum zweiten Stadtfest. Da kommt der Frühschoppen im Kloss-Garten dazu, wird das Publikum einbezogen, gibt es Prominentenrennen mit Politikern und Abordnungen aus Firmen beziehungsweise Institutionen. Da wird die Tradition des Anruderns wenige Wochen vor dem Starttermin eingeführt. Ein Termin, bei dem es – egal, wie kalt oder warm es ist – immer Glühwein gibt.
Mit dem Kopf schütteln die Kameraden, wenn sie an die unzähligen Fahrräder, Einkaufswagen und sonstiges Gerümpel denken, das sie im Brückenbereich vor jedem Wettkampf aus dem Wasser fischen. Es gibt noch viele Episoden. Einmal steht „Kanonenroland“ – das ist Roland Wedler an der Gulaschkanone – plötzlich alleine da, weil die Kameraden zum Brand nach Zobersdorf müssen. Dann dampft es plötzlich auf der Elster, weil die Dobraer ihr Schlauchboot zur Titanic umgebaut haben, und es gibt Starbesuch. Schlagersängerin Chris Doerk taucht ebenso auf wie der legendäre Fernsehreporter Attila Weidemann auf seiner Schwalbe.
Was wird wohl das 30. Schlauchbootrennen ab 11 Uhr am 16. Mai bringen? Gehen wieder Prominente an den Start? Wer wird wohl im originellsten Kostüm kommen?
Zum Schlauchbootrennen
- Erwartet werden stand jetzt fünf Frauen- und 20 Männermannschaften. Kurzfristige Anmeldungen sind auf der Internetseite des Rennens möglich.
- Neben Pokalen für die besten Frauen- und Männermannschaften winken den Teilnehmern Sonderpreise, unter anderem für das zeitschnellste Frauen- und Männerboot aller Läufe.
- Auch Mannschaften, die es nicht auf die vorderen Ränge schaffen, können Preise abräumen: Mit einem Sachpreis im Wert von über 450 Euro wird das Team mit dem originellsten Outfit prämiert.
- Auf dem Familien‑Rahmenprogramm stehen ein zünftiger Frühschoppen mit der BigBand Bad Liebenwerda, Auftritte der Guggemusik „Geile‑Gugge“ Belgern sowie des Tanzladen04. Eine XL‑Feuerwehrhüpfburg wird aufgebaut. Für beste Versorgung ist gesorgt.

